Sonntag, 19. Oktober 2008

Gedanken zum Berner Heimatschutz

Eines habe ich in den letzten Monaten gelernt. Der Heimatschutz ist nicht nur zuständig für den Erhalt von schützenswerten, älteren Gebäuden und deren Renovation (dies fällt sowieso in die Aufgaben der Denkmalpflege), der Heimatschutz schützt auch bestehende Dorfbilder vor dem Eindringen "nicht zeitgemässer Architektur". Das wusste vorher niemand von meinen Freunden und ich sowieso nicht, doch man lernt ja gerne dazu.

Da sich der Berner Heimatschutz (BHS) durch seine MissionarInnen der Öffentlichkeit offenbart, muss dieser leider das Risiko tragen, dass sich diese gewöhnlichen Leute (wie du und ich) mit der plötzlich erhaltenen Macht und Autorität überfordert fühlen. Man muss sich dies einmal vorstellen: Auf einen Schlag ist man Goodfather of Ästhetik, "zeitgemässer Architektur" und kann verhindern dass tapfere kleine Leute einfach jeden Scheiss (Tschuldigung) in die Landschaft bauen und unsere intakten Berner-Dörfer mit Blockhäusern und sonstigen Klötzen verschandeln. Es ist also gut schaut hier jemand etwas zu Rechten.


Aber eben, wo Macht gesät wird, wird auch deren unverhältnismässiger Einsatz geerntet. Man lässt sich Baupläne zusenden, da man gerade kein Mobility-Auto zur Verfügung hat, um wie jeder andere auch die aufliegenden Pläne bei der Gemeinde
einzusehen (wenn diese Kosten auf meiner Rechnung auftauchen, können die aber was erleben ;-) ). Unserem erfolgreichen Architekten wird ins Gesicht gesagt, dass es sich beim vorliegenden Projekt eben nicht um "zeitgemässe Architektur"
handelt, man selbst reagiert aber betupft, wenn man als (offensichtlich) arrogant bezeichnet wird :-). Das Anbringen von Galerieblechen (die Bleche oben an den Fenstern bei Rollladen) und das Bauen eines Erkers in der ursprünglichen Form wird aus dem Grund abgelehnt, dass diese Elemente nicht in bernischen Dorfbildern vorkommen (wo lebt die Frau). Sei's drum, dann bauen wir halt konventioneller, denkt sich der einfache Bauherr. FALSCH! Es muss moderner werden. Den Vorschlag eines Erkers aus einem anderen Material wie zum Beispiel Eisen, und das Bauen eines Wintergartens an Stelle des Balkonerkers, konnten wir gerade noch abwehren.

Lange Rede kurzer Sinn: Der Berner Heimatschutz ist nicht per se schlecht. Es sind immer die Leute, die so einer Institution ein Gesicht geben. Leider sind es aber gerade diese Leute, die (wie
schon beim VCS) die Bodenhaftung verlieren und eine gute Einrichtung in einem schlechten Licht erscheinen lassen.

Ich habe fertig!

2 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

wow ha grad bi de Fötel gshe das dr Spatestich heit ga, Gratuliere itze geits looooos...

Grüessli Esther und Noel

Anonym hat gesagt…

da gibt es leider noch ein paar andere Leute die sich damit auseinandersetzen mussten. Die Ergebnisse sind auch etwas fragwürdig ausgefallen.

Ist halt wie bei so vielem der gesunde Menschenverstand und ein guter Mittelweg wünschenswert.